Interview
Datum 09.07.2009

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Piplack, Erwin

Duisburg-Wedau
Geburtsjahr 1934

Beruf bzw. früherer Beruf incl. Postitionen und Dienststellen/Abteilungen

1949 Ausbildung zum Schlosser KWU (Kreiswirtschaftsunternehmen) Salzwedel
1952 Ausbildung abgeschlossen
1952 Lokschlosser im Bahnbetriebswerk Salzwedel
1953 - 1956 Heizer
1956 - 1960 Lokführer
1961 Maschinenschlosser im Aw Duisburg-Wedau
1962 Heizer beim Bw Duisburg-Wedau
1965 Lokführer beim Bw Duisburg-Wedau (Dampf- und E-Lok)
1972 Wechsel zum Personenzugdienst
1986 Vorzeitige Pensionierung wegen eines fremd verschuldeten Dienstunfalls

Seit wann wohnen Sie in Wedau o. Bissingheim?

Wedau, seit 01.09.1961
Weshalb sind Sie nach Wedau oder Bissingheim gezogen? Flucht aus der DDR; Wedau war erste feste Arbeitsstelle
Womit verbinden Sie den Begriff Wedau oder was fällt Ihnen spontan als erstes ein, wenn Sie „Wedau“ hören? Schönes Wohngebiet; Erinnerung an den alten Beruf; Garten, seit 47 Jahren.
Was gefällt Ihnen in Wedau / Bissingheim
  • am meisten?
  • nicht?
Pro
Sportmöglichkeiten
Sechsseenplatte
Contra
Einkaufsmöglichkeiten
Wenn Wedau/Bissingheim ein Wahrzeichen haben sollte, was würden Sie vorschlagen? Wasserturm am Nordberg
Würden Sie die Erhaltung von Stellwerk 2 bzw. des Wasserturms am Nordberg unterstützen? Ja, Eigenleistung und Spenden
Meine persönliche Geschichte

Geschichte 1
Bis 1960 war ich Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn. Meine Dienststelle war das Bw Salzwedel, wo mir die 57 2619 zugeteilt war. Auf dieser sog. „Jugendlok“ taten die jüngsten Lokführer ihren Dienst. Irgend­wann im Sommer 1959 hatte ich den Durchgangsgüterzug DG 6812 (Salzwedel – Oebisfelde) zu fahren. Zwischen Kuhfelde und Siedenlangenbeck fuhren wir mit 50 km/h, als plötzlich eine Kuh auf unser Gleis lief und dort stehen blieb. Da unser Zug wegen der vielen Leitungswagen nur 30 Bremshundertstel hatte, schaffte ich es trotz sofort eingeleiteter Schnellbremsung nicht mehr, ihn rechtzeitig zum Halten zu bringen. Unsere Lok hob beim Überrollen der Kuh leicht an und schwankte seitlich. Für einen kurzen Moment hatte ich Angst, zu entgleisen. Mein Heizer und ich hatten große Mühe, die Reste der Kuh unter der Lok hervor zu ziehen, da sie sich im Bremsgestänge verfangen haben. Nachdem wir diese unangenehme Arbeit erledigt hatten, fuhren wir einfach weiter.
Einige Monate später hatten wir eine ähnliche Situation mit einem Pferd. Mit dem rechten Puffer trafen wir dessen Hinterteil. Dem Pferd knickten dabei die Beine weg, und es rutschte auf dem Bauch in einen Graben. Als wir uns umdrehten, vernahmen wir ein kräftiges Wiehern. Das Pferd war aufgestanden und lief weiter.

Geschichte 2
In den 1970er Jahren wurden von Duisburg-Wedau aus noch viele Züge mit Dampflokomotiven bespannt. Zu dieser Zeit wurden bereits viele türkische Gastarbeiter als Heizer eingesetzt. Einer von ihnen war mir zugeteilt, als ich mit einer 050 nach Mülheim-Speldorf musste. Da es dort keine Drehscheibe mehr gab, war die Hin- oder Rückfahrt mit Tender voraus zu befahren. Da wir in diesem Fall Tender voraus fuhren, musste mein Heizer die Strecke beobachten und mir die Signalstellung melden. Da er noch nicht so lange dabei war, fühlte er sich dabei etwas unsicher. So meldete er mir während dieser Fahrt folgendes: „Ey Meister, das sind zwei Signale. Eins Halt und eins Fahrt.“. Immerhin konnte ich dadurch noch schnell auf die linke Seite springen und mich selbst von der Fahrtstellung des „richtigen“ Signals überzeugen.

Geschichte 3
Es war um 1981. Eines Nachts hatte ich Dienst auf dem „Pendel“ von Duisburg Hbf nach Bissingheim. Zu dieser Zeit wurde dort noch der ET 430 eingesetzt, und auch die Verlängerung bis Duisburg-Entenfang war noch nicht in Betrieb. Beim Einfahren im Haltepunkt Bissingheim sah ich einen Mann zwischen den Schienen liegen. Da es 3:00 Uhr nachts war, habe ich nicht gepfiffen. Im Glauben, ihn totgefahren zu haben, rief ich die Bahnpolizei. Als diese eintraf, war er unter dem Triebwagen nicht mehr zu finden. Stattdessen saß er, offensichtlich stark alkoholisiert, im Triebwagen. Er war nicht verletzt, nur seine Kleidung war etwas ölverschmiert. Denn weil ich nicht gepfiffen habe, ist er nicht aufgeschreckt und wurde vom Drehgestell auch nicht mitgerissen. Im Nachhinein fiel mir ein, dass dieser Mann eine Stunde vor dem Unfall auf der Bahnhofsbank geschlafen hat. Später kam überdies heraus, dass er in dieser Nacht von einem Polterabend im ETUS Bissingheim kam. Dort hat er einige Monate später anlässlich seines Überlebens eine Lokalrunde gegeben.

Geschichte 4
Ab dem 20. Mai 1982 fuhr der „Pendel“ von Duisburg Hbf über Bissingheim hinaus bis nach Entenfang. Bis dahin wurden die Fahrten zwischen Wedau und Bissingheim bzw. Entenfang als Rangierfahrt (Sh 1) durchgeführt. Irgendwann kam jemand auf die Idee, dass in diesem Zustand keine Fahrgäste befördert werden dürfen. Dies nahm man zum Anlass, das Personenzuggleis bis Entenfang ordnungsgemäß zu signalisieren und nunmehr alle Züge bis dorthin fahren zu lassen.
Mir wurde die Ehre zuteil, die Eröffnungszüge fahren zu dürfen, da ich für die Nachmittagsschicht am 20. Mai 1982 eingeteilt war. Da an diesem Tag zwischen Duisburg Hbf und Entenfang kein Fahrgeld erhoben wurde, war mein ET 430 gut gefüllt.

Geschichte 5
Gut kann ich mich an meine letzte Fahrt erinnern, die mit einem Unfall endete. Am Spätnachmittag des 7. Februar 1986 fuhr ich den Eilzug E 3287 nach Münster. Bespannt war er mit 110 509. Da es ein Freitag war, fuhren viele Bundeswehrsoldaten nach Hause. Hierfür setzte die DB zusätzliche D- und IC-Züge ein. Zwischen Marl-Sinsen und Haltern gab es plötzlich einen lauten Knall, und mir flogen sehr viele Glassplitter ins Gesicht. Aus dem entgegen kommenden D 1934 hatte jemand eine volle Limonadenflasche geworfen. Der Täter konnte nie ermittelt werden. Mit voller Wucht durchschlug die Limonadenflasche die rechte Frontscheibe meiner Lok. Trotz der schweren Schnittverletzungen am Kopf habe ich den E 3287 noch bis Haltern (Westfalen) fahren können. Hierfür bekam ich später sogar eine Belohnung von 100,00 DM. In Haltern wurde ich am Bahnsteig abgelöst und in ein Krankenhaus gebracht.
Mein Augenlicht habe ich zum Glück nicht verloren, und auch die Narben sind schon lange nicht mehr zu sehen. Dennoch hatte ich seit diesem Unfall Angst, wieder einen Zug zu übernehmen. Da ich somit nicht mehr dienstfähig war, bin ich Anfang 1987 in den vorzeitigen Ruhestand gewechselt.

Neubebauung ehemaliger Rangierbahnhof: Welche Wünsche und Bedenken haben Sie? Wohnbebauung gewünscht. Kein Container-Terminal wegen Lärm
Wenn es eine direkte Bahnverbindung nach Düsseldorf über Lintorf, Ratingen-West gäbe, würden Sie diese nutzen? Warum? Ja, weil weniger umgestiegen werden muss.

E.Piplack mit Tafel der Gewerkschaft GDL zum 25-jährigen Dienstjubiläum
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piplack3Dienstausweis bei der Deutschen Reichsbahn

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Auf der E-Lok 141 286-5
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Hier auf einer E-Lok der Baureihe 110
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E.Piplack mit seinem Prüfungszeugnis
Personalienbogen vom Bw Duisburg-Wedau, circa 1965
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