Interview
Datum 31.07.2009

ohne Foto

Kater, Lothar

Duisburg-Wedau
Geburtsjahr 1939

Beruf bzw. früherer Beruf incl. Postitionen und Dienststellen/Abteilungen

10/1957 – 01/1958: Güterabfertigung Duisburg Hbf
02/1958 – 12/1961: Elektriker im Aw Duisburg-Wedau
01/1962 – 02/1998: Betriebselektriker in der Radsatzwerkstatt (PC-gesteuerte Anlage)
02/1998: Eintritt in den Ruhestand

Seit wann wohnen Sie in
Wedau oder Bissingheim?

Ab 1957: im Ledigenheim Masuenallee 253
Ab 1960: andere Wohnung in der Masurenallee
Ab 1963: Dirschauer Weg

Weshalb sind Sie nach Wedau o. B´heim gezogen? Wegen der Nähe zum Arbeitsplatz
Womit verbinden Sie den Begriff Wedau oder was fällt Ihnen spontan als erstes ein, wenn Sie „Wedau“ hören?

Schöne Gegend,hoher Wohnwert, seit Ende der Dampflokära gute Atemluft

Was gefällt Ihnen in Wedau / Bissingheim
  • am meisten?
  • nicht?
Pro
6-Seen-Platte
Viele Kollegen in der Nachbarschaft
Contra
-Nichts-
Wenn Wedau/Bissingheim ein Wahrzeichen haben sollte, was würden Sie vorschlagen? Wasserturm am Nordberg und Feuerwehrturm im Ausbesserungswerk
Würden Sie die Erhaltung von Stellwerk 2 bzw. des Wasserturms am Nordberg unterstützen? Ja, durch Spenden
Meine persönliche Geschichte

Geschichte 1
Einmal rief in den frühen 1960er Jahren am Heiligabend der Pförtner des AW an: „Lothar, Du musst sofort kommen, in den Fremdarbeiter-Baracken ist die Heizung ausgefallen“. Ich bin also schnell zum AW gelaufen. Bei Eiseskälte bin ich mit Steigeisen den hölzernen Mast hinauf geklettert. Dort habe ich eine gelockerte elektrische Verbindung wieder befestigt. Die Baracken hingen danach wieder am Netz, und die Bewohner konnten ihre Festtagsgans zu Ende schmoren.

Geschichte 2
Einer der Pförtner des Ausbesserungswerks war als Waffennarr bekannt. Im Kofferraum seines Mercedes lagen jederzeit mehrere Schusswaffen. Des Öfteren ging er mit einem Mülheimer Industriellen zur Jagd. Sein Bezug zu Waffen war so stark, dass er auf Nachtschichten nicht nur seine Dienstpistole zur Hand hatte, sondern auch seinen privaten Colt mitführte.
Zu Beginn der 1980er Jahre rief er mich eines Freitagabends zuhause an: „Lothar, komm bitte sofort, das ganze Werk ist dunkel“. Ich bin also zum Werk gegangen. Mit dem Pförtner ging es dann in den Hochspannungsraum, wo ich zunächst alle Relais wieder eingeschaltet habe. Als wir zur Werkspforte zurückkehrten, stand bereits ein Auto der Duisburger Stadtwerke davor. Da die Pförtnerloge ja unbesetzt war, versuchte der Ingenieur der Stadtwerke über den Zaun ins Werk zu kommen. Als mein Pförtner das sah, ging er hinter einem Auto in Stellung, zog seine Waffe und rief: „Halt, stehen bleiben, oder ich schieße!“. Der Ingenieur der Stadtwerke war von dieser Begrüßung gar nicht begeistert und befahl uns: „Sofort alles ausschalten, da ist ein Kurzschluss“. Gleich danach fuhr er mit seinem Auto ins Werk. Wir hatten Mühe, zu Fuß so schnell hinterher zu kommen. Nur mit Mühe und Betteln konnte ich den Ingenieur davon abbringen, alles auszuschalten. Uns gelang es, den Fehler einzukreisen. Es war ein defekter Hochspannungsverteiler im Bereich „Korea“, wo Zughaken aufgearbeitet wurden bzw. im Freigelände Achsen lagerten.
Unser Werksleiter bestand darauf, dass die Halle am Montag wieder betriebsfähig sein müsse. Ich musste am Samstag also einen Hochspannungsspezialisten besorgen. Der Duisburger Elektro-Bauzug fiel schon mal aus, da alle auf Kegeltour waren. Blieb nur noch der Elektro-Bauzug in Hamm. Die Kollegen musste ich auch erst einmal ausfindig machen. Einer von ihnen (aus Dortmund) ließ sich über Umwege auffinden. Rückfragen bei Nachbarn ergaben zunächst, dass er gerade auf einer Hochzeit eingeladen war. Begeistert war er von meinem Anruf zwar nicht, erklärte sich aber bereit, am Sonntag zu kommen. Er brachte einen ganzen Koffer mit Material mit. Letztendlich haben wir sonntags von Morgens bis 22:00 Uhr durchgearbeitet, um den defekten Hochspannungsverteiler in „Korea“ zu reparieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Montag konnte in Korea wieder gearbeitet werden.

Geschichte 3
Nach der Schließung des AW Recklinghausen fanden viele Arbeiter in Wedau eine neue Betätigung. Einer von ihnen ist aber nie nach Wedau gezogen, sondern fuhr 25 Jahre lang jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit. Da dieser Kollege gerne viel Alkohol trank, ist er auf der Heimfahrt öfters im Zug eingeschlafen. Aufgewacht ist er dann ganz woanders. Fuhr dann kein Zug mehr Richtung Recklinghausen, schlief er gerne auf Stellwerken. Oder versuchte, mit dem Taxi weiter zu kommen. Da er stets knapp mit Geld war, ließ er das Taxi mitten auf der Landstraße anhalten, wenn er sein Geld verfahren hatte.
Egal wie ein solcher Abend ausging, am nächsten Morgen kam er jedenfalls zu spät ins AW. Einmal ist er im Personalzug eingeschlafen. Als der Zug in Entenfang abgestellt war, stieg der besagte Kollege aus und lief los. Leider in die falsche Richtung. Kurz vor Ratingen begegnete er einem Gleisbautrupp. Die Gleisbauer wiesen ihm den richtigen Weg. Er musste nun die ganze Strecke zurück laufen. Entsprechend spät kam er im AW Wedau an.
Da unser Kollege drei Mal pro Woche zu spät kam, konnte er nie Vorarbeiter werden. Man baute ihm sogar eine goldene Brücke und versprach ihm die Beförderung, wenn er nur vier Wochen lang pünktlich zur Arbeit erscheint. Es ging einfach nicht.


Neubebauung ehemaliger Rangierbahnhof: Welche Wünsche und Bedenken haben Sie?

Wünsche: Es soll wieder ein Rangierbahnhof nach Wedau kommen

Bedenken: Bei Wohnbebauung Verlust des Schrebergartens
Wenn es eine direkte Bahnverbindung nach Düsseldorf über Lintorf, Ratingen-West gäbe, würden Sie diese nutzen? Warum? Ja, schnellere Anbindung nach Düsseldorf zum Einkaufen oder in die Altstadt